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Erbengemeinschaft zerstritten

3. April 2005 um 11:29 Letzte Antwort: 4. April 2005 um 21:38

Hallo, ich bin neu hier und hoffe, jemand kann mir einen Tip geben.

Vor ca. 3 Wochen ist meine Mutter gestorben, mein Vater lebt bereits seit 20 Jahren nicht mehr.

Sie hat uns vier Geschwistern u.a. ein Haus hinterlassen.

Das gemeinsam mit meinem Vater aufgesetzte Testament hat sie verbrannt, sie hat es mir selbst irgendwann erzählt. Die Regelungen seien ihr zu kompliziert gewesen.

Es gibt also kein Testament, somit ist jeder von uns zu 1/4 erbberechtigt.

Nun das Problem:

Meine Geschwister wollen das Haus vermieten, ich nicht. Zum einen weil ich fürchte, wir kriegen den Mieter nie mehr raus, wenn er erst mal drin ist. Dann auch, weil ich den Ärger fürchte, falls es ein Querulant ist, der ständig anruft wegen jeder kaputten Steckdose. Und auch, weil ich mir eine höhere Rendite erwarte, wenn ich das Geld anderweitig investiere (ich handele seit einigen Jahren recht erfolgreich nebenher an der Börse).

Es war ein Wunsch meines Vaters, der das Haus seinerzeit mit eigenen Händen gebaut hatte, daß es in der Familie bleibt. Alle vier haben wir jedoch inzwischen selbst Immobilien, keiner von uns will dort einziehen. Auch die Enkel sind nicht interessiert.

Als wir neulich drüber sprachen und der Vorschlag mit dem Vermieten kam, sagte ich also, daß ich das nicht wolle. Daraufhin ist einer meiner Brüder fast ausgeflippt, wollte mich regelrecht nötigen, da mitzumachen. Ziemlich heftig reagierte ich jedoch mit einem klaren nein und schlug vor, sie könnten mich doch einfach auszahlen und dann zu dritt vermieten, so bliebe das Haus auch in der Familie und alle wären zufrieden.

Daraufhin meinte er, o.k. - und nannte einen total niedrigen Anteil, neulich wurde ein Nachbarhaus für EUR 200.000 verkauft; er wollte mir nur einen Anteil auf EUR 100.000 auszahlen. Ich sagte, das sei nicht marktgerecht und wenn wir uns nicht einigen könnten, sollten wir das Haus eben von einem Gutachter schätzen lassen. Er sagte, daß er einen Gutachter kenne - den wollte ich natürlich nicht, sondern einen, der neutral ist.

Am Ende schrien alle drei mich an, ich sollte gefälligst aufhören mit dem Blödsinn, sie würden das Haus jetzt einfach vermieten und die ersten Termine hätten sie schon für kommende Woche angesetzt.

Nun meine Frage:
Ich sehe es schon kommen, daß sie nächste Woche einfach einen Mietvertrag mit jemand machen werden, auch ohne meine Unterschrift.

Was kann ich tun, wenn es soweit kommt?

Ich weiß, daß ich mir wahrscheinlich einen Anwalt werde nehmen müssen. Aber wird es möglich sein, den Mietvertrag zu annullieren, wenn ich ihn nicht mit unterschrieben habe? Oder ist es nicht so, daß der Mieter darauf beharren kann, trotzdem dort wohnen bleiben zu dürfen, weil er doch gar nicht wissen kann, ob die drei überhaupt ohne meine Unterschrift einen Vertrag mit ihm machen dürfen oder nicht?

Ich fürchte, daß die drei auf die normative Kraft des Faktischen setzen: Nämlich daß überhaupt erst mal ein Mieter reinkommt, den man nachträglich nicht mehr rausklagen kann. Und daß sie dadurch den Wert des Hauses deutlich senken können. Und somit meinen Anteil daran.

Kann ich die Termine und den Vertrag durch eine einstweilige Verfügung noch rechtzeitig verhindern?

Maria

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4. April 2005 um 12:07

Hi
diese Probleme sind so komplex, dass das sich ein Anwalt anschauen müsste.

Grundsätzlich habt Ihr alle wesentlichen Entscheidungen zum Haus zusammen zu treffen. Also vermutlich auch die Frage der Vermietung.
Andererseits kannst Du auch nicht auf Dauer verhindern, dass das Haus wirtschaftlich genutzt wird. Insofern werden Dich Deine Geschwister vermutlich im Notfall auf Zustimmung verklagen können.

Was mir schon rechtlich nicht klar ist: der Mietvertrag kann nur mit der Erbengemeinschaft geschlossen werden, also mit allen vieren (bzw. ggf. mit einem Bevollmächtigten der Erbengemeinschaft). Wenn der Mieter einen Mietvertrag ohne diese vier Unterschriften bekommt, dann dürfte meiner Ansicht nach überhaupt kein Mietvertrag zustandegekommen sein. Hat er dann auch keinen Schutz gegen Räumung? Für den Mieter dürfte es ja kaum erkennbar sein, von wem er mietet, insofern müsste er eigentlich geschützt werden.

Es gibt übrigens immer einen Ausweg, der aber Eure Familie mit Sicherheit zerreißen wird: die sog. Auseinandersetzung. Problem: Das geht durch Zwangsversteigerung. Sollte man also nur machen, wenn ohnehin alles zu spät ist und man nur noch rausmöchte aus der Gemeinschaft.

Wie gesagt: hier ist wirklich ein Anwalt gefragt. Auch schon wegen dem Streitwert, da Ihr vermutlich über den Streitwert des Amtsgerichtes kommt und dann vor dem Landgericht landet, wo Anwaltszwang ist.

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4. April 2005 um 21:38
In Antwort auf an0N_1294954799z

Hi
diese Probleme sind so komplex, dass das sich ein Anwalt anschauen müsste.

Grundsätzlich habt Ihr alle wesentlichen Entscheidungen zum Haus zusammen zu treffen. Also vermutlich auch die Frage der Vermietung.
Andererseits kannst Du auch nicht auf Dauer verhindern, dass das Haus wirtschaftlich genutzt wird. Insofern werden Dich Deine Geschwister vermutlich im Notfall auf Zustimmung verklagen können.

Was mir schon rechtlich nicht klar ist: der Mietvertrag kann nur mit der Erbengemeinschaft geschlossen werden, also mit allen vieren (bzw. ggf. mit einem Bevollmächtigten der Erbengemeinschaft). Wenn der Mieter einen Mietvertrag ohne diese vier Unterschriften bekommt, dann dürfte meiner Ansicht nach überhaupt kein Mietvertrag zustandegekommen sein. Hat er dann auch keinen Schutz gegen Räumung? Für den Mieter dürfte es ja kaum erkennbar sein, von wem er mietet, insofern müsste er eigentlich geschützt werden.

Es gibt übrigens immer einen Ausweg, der aber Eure Familie mit Sicherheit zerreißen wird: die sog. Auseinandersetzung. Problem: Das geht durch Zwangsversteigerung. Sollte man also nur machen, wenn ohnehin alles zu spät ist und man nur noch rausmöchte aus der Gemeinschaft.

Wie gesagt: hier ist wirklich ein Anwalt gefragt. Auch schon wegen dem Streitwert, da Ihr vermutlich über den Streitwert des Amtsgerichtes kommt und dann vor dem Landgericht landet, wo Anwaltszwang ist.

Hallo Wolf,
Danke für Deine Antwort.

Eben: Das befürchte ich, daß der Mieter rechtlich geschützt ist und somit auch dann Fakten geschaffen werden, wenn ich nicht mit unterschreiben sollte. Und das werde ich gewiß nicht tun, ich mag nicht auf Jahre hinaus in so einer Erbengemeinschaft drinhängen und womöglich einen Mieter am Hals haben, der nur Ärger macht. Zuviel Kuddelmuddel ist mir das.

Ich hätte lieber klare Verhältnisse, will raus aus dieser Gemeinschaft, die sowieso keine ist.

Schätze, ich werde mir tatsächlich diese Woche einen Termin beim Anwalt machen und den alles regeln lassen.

Danke nochmals, für Deine Mühe.

Maria

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