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Schwanger Job in Willkommensklasse annehmen?

1. November 2015 um 15:04

Liebe Alle,
ich bin freiberufliche Deutsch-Als-Fremdsprache-Lehrerin, also schlecht bezahlt und überhaupt nicht abgesichert.
Deshalb, und weil ich es für eine wichtige und schöne Aufgabe halte, Kinder u Jugendliche bei der Integration in unsere Gesellschaft zu unterstützen, habe ich mich auf eine Stelle als Leiterin einer Willkommensklasse für Flüchtlinge an einer regulären Schule beworben. Die Einladung zum Bewerbungsgespräch kam zu meiner Freude, etwa zeitgleich auch die Erkenntnis, dass ich schwanger bin... Wunderschöne Nachrichten, aber sehr schlechter Zeitpunkt...
Nun stehe ich vor einem großen Dilemma: wenn man mir den Job anbieten sollte, könnte ich ihn annehmen? Ein Einstieg in eine interessante und sinnvolle Beschäftigung, finanzielle Absicherung für mich und mein Kind (als Freiberuflerin bekomme ich 390 Euro Mutterschutz, mir bliebe also nur der sofortige Gang zum HartzIV-Amt, mit von einer Sozialberaterin geschürten Angst, dass das Amt in der Elternzeit meine 630 Euro teure Wohnung nur für 6 Monate finanzieren u mich danach zum Umzug nötigen würde, wohin, keine Ahnung, denn erschwinglicher Wohnraum ist in Berlin kaum mehr zu finden..). Mein Freund ist freiberuflicher Musiker u Student, also auch kaum in der Lage, uns finanzielle Sicherheit zu bieten. So weit die Pro-Argumente.
Auf der Contra-Seite steht natürlich, dass ich nur ca 6 Monate arbeiten könnte. Außerdem habe ich zu meinem Entsetzen gehört, dass Willkommenslehrer im Krankheitsfall und in der Mutterschutzzeit aus Budgetgründen keine Vertretung bekommen u die Kinder einfach zurück in ihre Massenunterkünfte geschickt werden, wenn man nicht da ist... Das wäre natürlich furchtbar.
Deshalb meine Frage: weiß jemand, ob es den Tatsachen entspricht, dass es keine Vertretungen für Willkommenslehrer gibt u ich somit mein Kind auf Kosten der Flüchtlingskinder absichern würde? Habt ihr irgendwelche Erfahrung als schwangere Willkommenslehrerin gemacht? Und nicht zuletzt: wie würdet ihr entscheiden in so einem Dilemma?
Vielen Dank schon mal im Voraus und
Viele Grüße,
J.

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20. November 2015 um 0:43

Hallo!
Nimm den Job unbedingt an. Ich weiß zwar nicht, was an der Sache dran ist, dass es in diesem Fall keinerlei Vertretung für Dich geben würde (kann es mir jedoch nicht vorstellen), aber Du brauchst Dich und Deine Familie nicht zu opfern. Bitte denke auch an euch!

Gibt's denn mittlerweile schon Neuigkeiten?

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22. November 2015 um 12:49

Problem
Liebe J.

du kannst den Job aus Gründen des MuSchG nicht ausüben. Erstens benötigt jede Lehrerin/Erzieherin im beruflichen Umgang mit Kindern/Jugendlichen erst mal eine betriebsärztliche Untersuchung mit Festellung von Immunitäten gegen bestimmte Kinderkrankheiten. Sollten diese bei dir gegeben sein, dann kannst du Flüchtlinge trotzdem nicht unterrrichten, weil diese eine ganze Reihe gefährlicher Erkrankungen mitbringen können, die für Schwangere ein unkalkulierbares Risiko bergen. Dein Arbeitgeber kann dieses Risiko nicht tragen. Falls du schon unterschrieben haben solltest, sprich bitte mit der Aufsichtsbehörde für Mutterschutz/Gewerbeaufsichtsamt über diese Frage. Die relevanten Infektionskrankheiten sind vielfältig. Krätze, Tuberkulosefälle, und vieles mehr, dokumentiert vom Robert-Koch-Institut. Der Gang zum Betriebsarzt vor Aufnahme der Tätigkeit ist unabdingbar.

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