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Sexuelle Belästigung - was nun?

15. November 2008 um 21:02 Letzte Antwort: 17. November 2008 um 14:58

Hallo,
ich bin im Moment recht durcheinander und weiß nicht, wie ich mich in Zukunft verhalten soll und bin dankbar für jeden Rat/Anregung.
Es geht darum, dass mich ein Mitarbeiter sexuell belästigt hat.
Seit dem 22. 10., also erst seit wenigen Wochen, habe ich einen sog. 1-Euro-Job. Dort gibt es 2 Arbeitsbereiche, einen in einem Büro, den anderen in einem angeschlossenen Café, die Mitarbeiter sind für die Bereiche jeweils aufgeteilt. Ein Teil der Büromitarbeiter (zu denen ich gehöre) helfen ca 1, 2 Mal die Woche und bei Bedarf auch öfter, im Café mit aus. Zur Einarbeitung war ich dort bisher 3Mal, immer bei demselben Cafemitarbeiter (es gibt dort aber auch andere). Beim 1. Mal ist mir bereits aufgefallen, dass er sehr persönliche Fragen gestellt hat, zb ob ich Single wäre etc Dachte mir aber nichts dabei, außer dass etwas Abstand angebracht wäre.
Beim 2. Mal war die Zusammenarbeit entspannt und (mir im Nachhinein) zu locker, aber ich empfand es als normalen Umgang miteinander, dass man auch gute Laune hat und gut miteinander zurechtkommt. Kurz vor meinem Feierabend kam er mir plötzlich sehr nah, drängte mich zurück und fasste mir an den Po. Er griff richtig zu. Ich war empört und sagte, er solle das lassen, aber im Nachhinein gesehen wohl nicht ernsthaft genug, er lachte nur. Dann bin ich gegangen und dachte mir, er sei eben nur etwas zu übermütig geworden.
Später, zu Hause, ging mir erst auf, was er da gemacht hat.
Es war ein übles Gefühl, von ihm so angegrabscht zu werden und ich ärgerte mich, dass ich nicht schroffer reagiert habe.
In den nächsten Tagen verdrängte ich das irgendwie
Beim 3. Mal, letzten Mittwoch, war es noch unangenehmer.
Er fing an, mir persönliche Dinge über sich zu erzählen, die ich gar nicht wissen wollte, er erzählte mir auch, dass er vor einigen Monaten eine andere Büromitarbeiterin (die für die Organisation des Cafes zuständig ist) grob beleidigt hat. Er sagte, er beendete eine Meinungsverschiedenheit, indem er ihr sagte Fi Dich, du Vo. Er erzählte das mit einem stolzen Grinsen und war sich gar nicht klar, was er da für ein Bild abgibt.
Als ich fragte, ob er sich entschuldigt hätte, meinte er, nö, wieso, es käme ja noch besser: sie habe geweint und es der Vorgesetzten (Hauptverantwortliche für aller Arbeitsbereiche) erzählt, er hätte das mitbekommen und hätte mit einer Kündigung gerechnet und erstmal Urlaub eingereicht. Daraufhin hätte man ihm gesagt, man bräuchte ihn aber dringend im Café und die beiden sollten künftig eben nicht mehr im Café zusammenarbeiten. Er hätte extra andere Arbeitszeiten bekommen die ihm auch noch sehr gelegen kamen, wie er amüsiert erwähnte.
Er prahlte richtig mit dieser Geschichte, ihm war überhaupt nicht klar, was für ein negatives Bild er da von sich mir gegenüber zeichnete. Er sagte, er hätte den beiden dann etwas aus seiner Vergangenheit erzählt, was sie milde gestimmt hätte (es sei ja eine soziale Einrichtung), er hat sich also noch eins ins Fäustchen gelacht.
Nun, was da los war, geht mich nichts an, ich wollte damit sagen, dass er mir selbst erzählt hat was er für einer ist. Ich sagte nur, dass ich solch ein Verhalten von ihm übel finde und er in meinen Augen ein Rohling sei, der nicht weiß, wo die Grenzen sind. Er fasste das als Scherz auf und ich habe es dabei belassen. Ich denke, er hat trotzdem bemerkt, dass ich danach 3fach distanziert war. Wieder kurz vor Feierabend der gleiche Ablauf wie zuvor, er bedrängte mich körperlich so, dass ich nach hinten ausweichen musste und griff mir voll in die Pobacke. Ich stieß ihn weg und habe ihm deutlichst gesagt, er solle das Gegrabsche lassen. Wieder hat er nur gelacht. Und wieder war ich irgendwie schockiert und gelähmt zugleich
Erst zu Hause ging es mir richtig schlecht und ich habe hin- und her überlegt, wie ich weiter reagieren soll. Das war am Mittwoch. Am Donnerstag werden die Einteilungen festgelegt und ich wollte keinesfalls mehr mit ihm zusammen eingeteilt werden. Ich fragte mich, ob überhaupt und in welcher Weise ich ihn persönlich ansprechen soll, erfuhr dann aber gottseidank, dass er sich krankgemeldet hat. So ging ich zur Geschäftsleiterin und sagte, dass ich nicht mehr mit ihm eingeteilt werden möchte, und auch, warum. Sie reagierte zwar entsetzt, aber recht unkonkret - selbstverständlich müsse ich nicht mehr mit ihm zusammen arbeiten und man müsse mit ihm reden, er habe sich bereits schon einige Dinger hier geleistet. Ich solle das mit der Einteilung der zuständigen Mitarbeiterin sagen, das ist übrigens die, die er so beleidigt hatte. Ich erzählte, dass er mir davon bereits prahlend erzählt hat.
Als die Einteilung gemacht wurde und ich sagte, was vorgefallen ist und ich schon mit der Chefin geklärt hätte, war die Reaktion ähnlich zwar sehr entsetzt, aber sie machte die Bemerkung, sie hätte gesehen, dass wir ja auch recht nah beieinander gestanden hätten. Das fand ich recht unpassend und meinte, dass sich das bei einer Einarbeitung, bei der er mir zeigt, wie alles funktioniert ja schlecht zu vermeiden wäre und fügte hinzu, dass es keine Rechtfertigung für so einen Übergriff sei. Sie war etwa verdutzt und meinte, ja, ich wäre nun schon die Dritte(!) Frau, die nicht mehr mit ihm eingeteilt werden will (also sie selbst und eine andere Cafémitarbeiterin, die den Grund aber nicht nennen wollte), und so ginge das natürlich nicht, man müsse mit ihm reden damit er lernt und außerdem läuft sein Job ja eh bald aus, aber es sei kein Problem, dass wir zusammen nicht mehr eingeteilt werden. Tja so der Stand der Dinge
Ich war erstmal sehr erleichtert, dass ich nicht mehr mit ihm eingeteilt werde, aber ich merke, wie seitdem meine Stimmung immer weiter runtergeht. Ich fühle mich schlecht, weil es einfach eklig war, wie er mich angegriffen hat und ich fühle mich von den beiden Frauen auch etwas im Stich gelassen, entsetzte Reaktionen, ok, aber was weiter? Nun soll ich also zusehen, dass ich ihm aus dem Weg gehe und nicht wie alle anderen Kollegen im Café Mittags- und Zwischendurchpausen machen, wenn er anwesend ist (was fast täglich der Fall ist)? Und ich bin auch unzufrieden darüber, dass es eigentlich für ihn gar keine Konsequenzen hat, außer einem Gespräch, über das er eh nur lacht (er hat mir ja selbst erzählt, wie stolz er ist, wie er mit seinem Verhalten durchkommt) und das nichts zur Folge hat, da er ja eh bald geht. Wann genau das ist, weiß ich nicht, aber sicher erst im nächsten Jahr.
Was soll ich nun tun? Was meint ihr? Ich bin mit dem jetzigen Stand zwar etwas erleichtert, aber doch unzufrieden. Gestern lag ich bis 5h morgens wach und habe geweint vor Ekelgefühl, Wut und auch Hilflosigkeit.
Ich bin erst seit einigen Wochen dort, es wird fast ausschließlich mit 1-Euro-Jobbern gearbeitet (die Arbeit an sich ist ok für mich und ich sehe es auch als Chance, zB meine Bewerbungsunterlagen aufzufrischen etc), aber ich bin da eben voll eingespannt, bin mit etlichen neuen Situationen / Menschen / Arbeitsbereichen / desolaten organisatorischen Zuständen konfrontiert und wuppe das auch irgendwie in der Hoffnung, dass bald mehr Routine einkehrt aber seit diesem Vorfall fühle ich mich einfach demotiviert und überfordert.
Gut, ich arbeite nicht mehr direkt mit ihm zusammen, aber der Gedanke, dass da ein Grabscher herumläuft, der damit prahlt, andere beleidigt zu haben mit dem bereits 2 Frauen schon die Zusammenarbeit verweigern, ich quasi in ein offenes Messer gelaufen bin und es immer noch ohne konkrete Konsequenzen für ihn bleibt, im Gegenteil dazu ich diejenige bin, die ihm eben aus dem Weg gehen muss Das belastet mich alles

Meine unausgegorenen Überlegungen sind:
- Was soll ich antworten, wenn mich irgendjemand, zB Kollege, fragt, warum meine Stimmung auf einmal gedrückt ist?
- noch mal zur Geschäftsleiterin gehen und ihr das so zu sagen, und wenn sie es wirklich dabei belassen wollen, dass er ja eh bald geht, sagen, dass ich beabsichtige, bis dahin nicht zu kommen?
- Meinem Arbeitsberater davon erzählen?
- Dem Verein davon erzählen, der diesem Projekt übersteht?
- Mit einer Anzeige drohen, damit er auch ein paar schlaflose Nächte hat?
- warum eigentlich nur drohen?

Eine direkte Konfrontation mit ihm möchte ich gern vermeiden, mir ist ehrlich gesagt egal, ob er lernt oder nicht, es geht mir darum, dass ich mehr geschützt werde, und bei meiner derzeitigen Stimmung kann ich nicht so souverän damit umgehen, wie ich es gern täte.

Ich bin sehr verunsichert, fühle mich als Neue von den Vorgesetzten nicht genug geschützt und würde da am liebsten gehen, aber was für Konsequenzen hätte das für mich beim Arbeitsamt?

Am Dienstag muss ich wieder ins Büro, er wird evtl ab Montag wieder anwesend sein

Was meint ihr dazu?
Vielen Dank fürs geduldige Durchlesen, ich weiß, ich habe mich oft wiederholt und wohl auch zu ausufernd geschrieben, aber es tat einfach gut, sich das mal von der Seele zu schreiben! Und ich freue mich über jede Anregung.

Liebe Grüße! Marina

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17. November 2008 um 14:58

Also hier gibt es nur eines
Mit deinem Arbeitsberater und dem Verein reden. Sollten kein eindeutigen Konsequenzen erfolgen --> Anzeige erstatten. Es sind offensichtlich Zeugen vorhanden (die beiden andern Frauen), die dann entsprechend befragt werden. Auch die Chefin weiß anscheinend bescheid. Sie macht siech übrigens mitshuldig wenn sie nichts unternimmt.


Kopf Hoch

LG
Heiner

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